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Zentralkommission für die Rheinschifffahrt: Transporte per Binnenschiff in Deutschland um 17 Prozent zurückgegangen (26.07.2010 / fb) Zu einem Zeitpunkt, in dem noch keine endgültigen Zahlen für ganz Europa zur Verfügung stehen, kann dennoch festgestellt werden, dass in Deutschland, dem Zentrum des europäischen Wasserstraßennetzes, im letzten Jahr die durch die Binnenschifffahrt beförderten Mengen als Folge der Finanzkrise um 17 % zurückgegangen sind. Die Beförderungsleistung ist etwas weniger gesunken, um 13 %. Der französische Binnenschifffahrtsmarkt war hingegen weniger berührt, hauptsächlich aufgrund des großen Anteils an Agrarprodukten, die auf diesen Wasserstraßen befördert werden. Agrargüter und Futtermittel haben sich gegenüber der Wirtschafts- und Finanzkrise als im Wesentlichen resistent erwiesen, da sie viel mehr von natürlichen Faktoren wie der Witterung abhängen.
Die Weltwirtschaft und auch die Wirtschaft in Europa haben sich seit ihrem Tiefpunkt in der ersten Jahreshälfte 2009 wieder merklich erholt, und zwar rascher als von den meisten Experten anfangs erwartet. Seit Herbst 2009 und insbesondere in den ersten Monaten von 2010 hat sich in wesentlichen Branchen und Industriezweigen die Erholung beschleunigt. So ist die Kapazitätsauslastung wichtiger Industriezweige deutlich gestiegen, wie etwa die der deutschen Stahlindustrie, die von 50 % im Frühjahr 2009 auf 87 % im Frühjahr 2010 zunahm. Die Aussichten für die Transportnachfrage im laufenden und kommenden Jahr sind angesichts der weltwirtschaftlichen Erholung grundsätzlich positiv, unterscheiden sich aber je nach Gütersegment doch relativ stark.
Im Massengüterbereich war im Jahr 2009 ein merkliches Aufleben bei der Beförderungsnachfrage festzustellen. So lagen in den letzten Monaten des Jahres die beförderten Mengen wieder nahezu 15 % über dem Tiefpunkt der Krise. Die Prognosen wichtiger Industriesparten, vor allem der Stahlindustrie, deuten auf eine Fortsetzung dieses Aufholtempos im Jahr 2010 hin. So wird für die deutsche Stahlindustrie ein Produktionswachstum von 15 % erwartet, mit entsprechenden Folgen für die Transporte von Stahlgütern, Kohle, Erzen und Metallabfällen in der Binnenschifffahrt. Im Containerbereich scheint die Erholung schneller voranzuschreiten. Rund 2/3 der Mengenverluste sind wieder aufgeholt worden, und für das gesamte Jahr 2010 wird für die Binnenschifffahrt eine Steigerungsrate von rund 20 % erwartet.
Insgesamt wird über das ganze Jahr 2010 hinweg derzeit ein Anstieg der Beförderungsnachfrage im Trockengüterbereich im einstelligen Bereich gegenüber dem Vorjahr (für das deutsche Wasserstraßennetz) erwartet.1 Da die Beförderungsnachfrage bereits im Jahr 2008 von der Finanzkrise beeinträchtigt wurde, kann man das Jahr 2007 als Referenzjahr für den Binnenschifffahrtsmarkt verwenden. Für die deutschen Wasserstraßen ist festzustellen, dass - ausgehend vom Jahr 2009 - eine Steigerung der Beförderungsmengen um 25 % erforderlich wäre, um das Niveau von 2007 wieder zu erreichen. Dazu kommt noch die Tatsache, dass das Beförderungsangebot in West-Europa seit 2007 um etwa 6 % gewachsen ist. Die zugefügten neuen Einheiten verfügen potentiell über eine höhere Produktivität als die älteren Einheiten. Um ein ähnliches Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wie im Jahr 2007 auf dem Markt zu erreichen, müsste demzufolge die Beförderungsnachfrage schätzungsweise um rund ein Drittel zunehmen.
In der Tankschifffahrt dürften die wieder deutlich gestiegenen Erdölpreise die Beförderungsnachfrage von Mineralölprodukten dämpfen. Eine eher mäßige Nachfrage ist daher zu erwarten. Das Ergebnis im Gesamtjahr wird letztlich nur durch witterungsbedingte Faktoren etwas verbessert. So dürfte der kalte Winter 2009/2010 zu einem Mehrbedarf an Heizöl geführt haben, der den dämpfenden Faktoren entgegenwirkt. Eine grundlegende Umkehr des „Nachfrageklimas“ im Erdölsegment würde aber nur bei einem erneuten starken Einbruch der Konjunktur erfolgen; bei solch einem Szenario kommt es in der Regel auch zu einem tiefen Einbruch des Ölpreises, was die Beförderungsnachfrage erheblich stimulieren würde. Ein solches Szenario einer grundlegenden Trendwende ist aber – für die kommenden Monate kaum wahrscheinlich. Eher ist mit einem weiteren leichten Anstieg bzw. einem Verharren auf relativ hohem Niveau beim Ölpreis zu rechnen. Der chemische Bereich hingegen befindet sich ähnlich wie die Segmente der Trockenschifffahrt weiterhin in einer „Aufholphase“. Dadurch sollte im Laufe des Jahres die Nachfrage von Seiten der chemischen Industrie weiter steigen.
Im ersten Halbjahr 2009 sind die Frachtraten durch die rückläufige Beförderungsnachfrage weiter gesunken. Ihr niedrigster Stand wurde Mitte des Jahres erreicht, und erst im Herbst haben die Frachten dank einer Belebung der Beförderungsnachfrage wieder ein wenig zugelegt. Eine Wasserführung, die vorübergehend keine volle Auslastung der Schiffe erlaubte, hat ebenfalls dazu beigetragen. So lagen die Frachten im 4. Quartal wieder deutlich über ihrem Tiefpunkt des Sommers.
Nachdem die Sondernachfrage in der Tankschifffahrt, die auch das Auffüllen der Lagerbestände an Mineralölprodukten beinhaltete, spätestens im ersten Quartal 2009 beendet war, haben sich die Frachten hier ebenfalls auf ein sehr niedriges Niveau begeben. Zur Mitte des Jahres 2009 haben sie einen Tiefpunkt erreicht. Ein Anstieg war erst wieder im Herbst 2009 zu beobachten. Dieser ist auf die saisonalen Beförderungen vor dem Winter sowie auf die niedrige Wasserführung, die zu Einschränkungen des Tiefgangs führte, zurück zu führen.
* 1 Diese Prognose basiert auf ökonometrischen Modellen des Sekretariats der ZKR in Verbindung mit den Aussichten der für die Binnenschifffahrt wichtigsten Industrieverbände. |